Star Borg ist ein Mörk Borg Hack von Autor, Cartoonist und YouTuber J.P. Coovert ( https://jpcoovert.com/ ) und ja, es ist Star Wars.
JP hat neben Abenteuermodulen (wovon sein größtes dieses Jahr einen Ennie gewonnen hat), Resourcen, Lehrbüchern fürs Zeichnen und später einem eigenen kleinen RPG bereits vor Star Borg RPG Hacks gemacht, die inoffiziell bekannte Popkultur IPs adaptieren, genauer gesagt Ghostbusters und Teenage Mutant Ninja Turtles. Den Ghostbusters Hack, Goons and Ghosts, fand ich zu minimal und etwas enttäuschend, aber Star Borg ist ein wesentlich ausführlicherer und gewissenhafter Hack.
Offensichtlich gibt es Star Wars RPGs, zwischen SW5e, diversen älteren offiziellen Produkten und dem kommenden Dungeons & Dragons Ding. Und, als inoffizielles, aber Verkaufsprodukt, kann Star Borg nicht Star Wars erwähnen. Aber es wurde bewusst so nah an der Quelle gearbeitet dass das "umschreiben" zu Star Wars in privaten Runden eigentlich nur eine Arbeit ist, die Namen auszutauschen. Zumindest wenn man einen sehr speziellen Teil des Settings haben will, genauer gesagt die Original Trilogie mit minimalen Anleihen von Dingen die kurz vor oder nach den drei Filmen passieren und die Spieler müssen auf Rebellen-Seite stehen. Als Homage ist es definitiv den späten 70ern und 80ern von Star Wars zugetan.
Ich persönlich, wie man an der Rundenausschreibung vielleicht lesen kann, symphatisiere aber mit der "Fake-ness" von Star Borg ausserhalb von einem Level von Notwendigkeit. Abgesehen davon das ich sowieso ein gespaltenes Verhältnis zu Adaptionen von vorhandenen IPs in RPGs habe, macht die universale popkulturelle bekanntheit der Vorlage, zusammen mit den wunderbaren Cartoon Zeichnungen von Coovert, dass ganze als ein "Star Wars wenn man es bei TEMU bestellt" Ding auf eine Weise charmant die mit etwas offiziellerem nicht möglich sind.
Die Namensänderungen von Star Wars Dingen sind teils holprig ("Blazer Sword") und teils großartig (Sith werden zu "Dragoons" und potenzielle Namen von den bösen Lords beinhalten Namen wie "Lord Commander Vortex" oder "Tragen Foul"), während die oben erwähnten illustrationen eine wunderbare "80% akkurates Gedächtnisprotokoll" Designästhetik haben.
Zum Spiel selber: Im Kern besteht Star Borg aus drei "Zines", dem Rebel Handbook, dem GM Guide und Regeln für Solo Spieler. Technisch gesehen ist alles was man braucht im Rebel Handbook, ABER dieses beinhaltet keinerlei Statblocks für Gegner, die im GM Guide sind. Letzterer enthält zudem noch diverse Ideen für Missionen, Kampangen, Namen für Planeten, Kopfgeldjäger etc., aber hat sonst wie man es aus manchen GM Guides kennt keine Tipps eine Star Borg Runde zu leiten, noch hat es irgendeine Form von Starter Abenteuer (diese werden seperat verkauft). Die Regeln für Solo Spieler sind genau das, aber haben noch weitere Inspirations- und Namenstabellen die man auch sonst nutzen kann. Es ist insgesamt nicht viel und erwartet von sich aus eine Grundlegende Kenntnis von Star Wars sowie Eigeninitiative von Spielleitern wenn man nicht noch zusätzlich die Abenteuer kauft, aber bei einem Preis von 15 USD für das PDF Bundle (30 für Print und PDF, aber halt plus Versand und Steuern) ist das was geboten wird "okay".
EDIT: Vielleicht doch der Klarstellung halber erwähnenswert. Offiziell gibt es noch 2 Abenteuer, ein Starter Abenteuer und ein "Funnel", sowie 3 Zines die je eine neue Klasse, Szenarien oder Abenteuer sowie neue NPCs, Gegner und Equipment hinzufügen, aber davon habe ich nichts. Klingen interessant, aber auch ausdrücklich wie Zusatzmaterial, also irgendeine Form von weiteren Star Wars Äras oder eigener Lore würde ich nicht erwarten. Diese kosten jeweils 6 USD digital oder 12 mit Print.
Die Regeln des Spiels selber sind überwiegend die selben wie Mörk Borg, plus Star Wars übliche Klassen wie Schmuggler, Kopfgeldjäger oder Jedi Magi Knight. Es gibt ausserdem eine "Youngster" Klasse für junge Charaktere mit Glück, Potenzial und einer Waisenkind Backstory, und während das selbstverständlich sehr ins Setting passt, ist es zumindest in so weit interessant das wenngleich Star Borg visuell sehr viel freundlicher daherkommt als die Mörk Borg Vorlage, die Regeln sind wie gesagt nicht groß unterschiedlich. Es ist immernoch ein sehr tödliches Spiel. Mit HP auf 0 zu fallen hat konsequenzen und eine 1-in-4 Chance zu sterben. Zwar gibt man Spielern die Möglichkeit, Charaktere in "Healing Tanks" wiederzubeleben, aber ja, es ist definitiv erwähnenswert das Star Borg nicht auf einer Linie mit der heroischen Fantasie MANCHER Ecken von Star Wars ist und das es möglich ist das in einer Star Borg Runde Kinder ermordet werden (hier den Episode 3 Meme einfügen).
Neben einer Klasse kann man eine Spezies wählen oder auswürfeln, auch wenn dies eine rein "kosmetische" Sache ist und es keine Spezies Fähigkeiten gibt (es gibt ein 3rd Party Supplement das das hinzufügt wenn man möchte). Weitere Ressourcen sind 1w2 "Destiny Points" die regenerieren und für Dinge wie Re-Rolls, Schadens-Reduktion oder Boost sowie dem heruntersetzen von Schwierigkeitsgraden genutzt werden kann, sowie "Bits", die den finanziellen Besitz darstellen. Dies ist massiv simplifiziert, jeder Charakter hat "Bits" oder nicht. Dinge kosten entweder alle Bits die ein Charakter hat oder alle Bits von allen Spielern. Ich sehe hier potenzielles Konfliktpotenzial unter Umständen, aber generell denke ich das ganze passt ganz gut zum "Underdog" Status, den man als Rebell in dem Setting hat, und verhindert ausgiebiges Shopping.
Raumschiffe gibt es natürlich auch, hier können Spieler in Kämpfen diverse "Stationen" besetzen, die entsprechende Manöver und Aktionen erlauben. Zum größten Teil laufen Kämpfe mit Raumschiffen jedoch genauso ab wie Kämpfe "auf dem Boden", inklusive dem das Spieler weiterhin individuell HP verlieren.
Da es Star Wars "inspiriert" ist, gibt es nicht wie bei anderen Mörk Borg Systemen einen potenziellen Weltuntergang, aber einige Klassen riskieren durch bestimmte Aktionen entweder mit einem übermächtigen Dragoon Inquisitor konfrontiert zu werden oder einem unliebsamen Gangster aus der Vergangenheit, der den Spielern das Leben schwer macht. Nicht alle Klassen aben ein solches Risiko, aber kommen dann stattdessen mit anderen, etwas weniger dramatischen potenziellen Schwierigkeiten.
Und, ja, das ist das was man bekommt mit Star Borg.
Es ist sowohl im guten als auch im schlechten recht minimalistisch. Ein paar ausführlichere Regeln für Raumschiffe wären gut, genauso wie mehr Stats für Gegner und Items. Es ist am Ende alles was man braucht um ein Abenteuer im Stil der ersten drei Filme im Mörk Borg System zu spielen, nicht mehr aber auch nicht weniger, für einen Preis der sich fair anfühlt und einer schönen Ästhetik. Auch wenn angesichts dessen wie viel *anderes* Star Wars RPG Material existiert ein Conversion Guide dafür sehr willkommen wäre, wenn sich schon der Kern des Spiels eher minimalistisch hält.
Ich finds symphatisch